Prof. Dr. Reinhard Kopiez, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
reinhard.kopiez(at)hmtm-hannover.de

 

Laufende bzw. abgeschlossene Forschungsprojekte
am Institut für Musikpädagogische Forschung

(Stand: 01.10.2017)

 

1. Laufende Projekte

Projektbeschreibung: Die Imagination von Musik führt zu einer inneren Hörvorstellung und ist eine Kernkompetenz für alle musikalischen Tätigkeiten. Infolgedessen wies ihr Edwin E. Gordon unter dem Namen „Audiation“ bereits 1975 eine Schlüsselrolle in seiner Music learning theory für das Erschließen von Musik zu. Bei Dirigenten ist diese Fertigkeit für das Partiturstudium notwendig, das als zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche musikalische Leitung eines Orchesters gilt, während sie bei Komponisten für das Erfinden neuer Musik unabdingbarer Bestandteil ihrer Tätigkeit ist. Auch für Instrumentalisten und Sänger ist Audiation für die Ausbildung einer Auge-Ohr-Hand-/Stimme-Koordination eine unverzichtbare Basiskompetenz. Ziel des Projekts ist das Entwickeln eines musikpsychologischen Testverfahrens zum objektiven Bestimmen der Fertigkeit einer Person, allein auf Grundlage des Lesens eines Notentexts aktiv eine Hörvorstellung (Notations-Audiation) zu entwickeln. Die zuverlässige Bestimmung des Vermögens zum Inneren Hören ist eine wichtige Grundlage für ein besseres Verständnis von Leistungen wie dem Vom-Blatt-Spiel, der Improvisation oder dem Spiel nach Gehör.

Förderung durch das Programm Pro*Niedersachsen (AZ 76202-23-2/14)

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez

Projektdurchführung: Dr. Anna Wolf (HMTM Hannover)

Projektpartner: JProf. Dr. Friedrich Platz (HfMDK Stuttgart), Prof. Dr. Luis Estrada (UNAM Mexico City)

Projektdauer: Januar 2016-Juni 2018.

Publikationen/Presseberichte:

Wolf, A., Kopiez, R. Platz, F. & Estrada, L. (2016): Entwicklung eines Assessments zur notationsevozierten Klangvorstelung (NESI). Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, Wien, 09.-11.09.2016

- Estrada, L., Kopiez, R., Wolf, A. & Platz, F.: The development of a new assessment of notational audiation by professional musicians. Vortrag auf der Ninth Triennial Conference of the European Society for the Cognitive Sciences of Music (ESCOM), Manchester, 17.-20. August 2015. Download pdf pdf

- Pressebericht: Wie Schlüssel und Schloss - 370.000 € für musikpsychologische Projekte des Hanover Music Lab. Pressto, 2, 2016. Download pdf pdf

- Wolf, A., Kopiez, R., Platz, F. & Estrada Rodriguez, L. (2016). The development of an assessment for notation-evoked sound imagery (NESI). Vortrag auf der 14 International Conference on Music Perception and Cognition (ICMPC 14), San Francisco, 5.-9. Juli. Download pdf pdf

 


 

2. Abgeschlossene Projekte


Projektbeschreibung: Viele kennen die Situation, plötzlich an ihre Jugendzeit, ihre Hochzeit oder eine andere Lebenssituation
erinnert zu werden, weil gerade „ihr Lied“ zu hören ist. Doch auf welchen Lebensabschnitt beschränkt sich dieser Zusammenhang zwischen autobiographischer Erinnerung und musikalischem Gedächtnis? Die bisher einzige (amerikanische) Studie zu dieser Frage stammt von 1997 und vermutet den Lebensabschnitt von besonders häufig mit Musik verbundener Erinnerungen zwischen 20 und 30 Jahren. Auf europäische Verhältnisse übertragbar sind diese Ergebnisse aber nicht so ohn weiteres und die mediale Situation hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten ebenfalls bedeutsam verändert. In einer Studie mit Teilnehmern im Alter zwischen 50 und 80 Jahren untersuchen wir in einem ca. einstündigen Experiment mit der Methode musikstimulierter Erinnerungen (Cued recall) diesen Zusammenhang. Im Verlauf des Versuchs werden den Teilnehmern Ausschnitte aus populären Musikstücken der letzten 80 Jahre vorgespielt, zu denen jeweils Fragen auf einem Fragebogen beantwortet werden.
Die ersten Ergebnisse belegen, dass entgegen früherer Studien musikbezogene autobiographische Erinnerungen nicht nur ein Maximum zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt haben und danach stark abfallen, sondern bis zum sechsten Jahrzehnt auftreten können. Dies ergibt neue Perspektiven für eine musikgeragogische Anwendung, wenn es um die Auswahl von Musikstücken geht, welche z. B. für Demenzpatienten mit persönlichen Erinnerungen verbunden sind.

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez

Projektmitarbeiter: Dr. Johannes Hasselhorn, Marten Berneburg, JProf. Dr. Friedrich Platz

Projektdauer: März 2011-Oktober 2015.

Publikationen/Presseberichte:

- "Der Soundtrack deines Lebens - Melodien hinterlassen Spuren im Gehirn". Deutschlandfunk Nova- Grünstreifen, (05.06.2017) (Redaktion Ann-Kristin Pott). Download mp3.

- Neue Presse (29.03.2011)

- Hannoversche Allgemeine Zeitung (30.03.2011)

- (2015). Platz, F., Kopiez, R., Hasselhorn, J. & Wolf, A.: The impact of song-specific age and affective qualities of popular songs on music-evoked autobiographical memories (MEAMs). Musicae Scientiae, 19(4), 327-349.

- pressto - Magazin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Nr. 2, 2015 eee

- Psychologie Heute (Heft 12/2015) eee

- Süddeutsche Zeitung (02.01.2016) eee

- (2016). Kopiez, R., Platz, F. & Wolf, A.: Über die heilsame Wirkung der Nostalgie: Musik als Soundtrack unserer Lebenserinnerungen. Neue Zeitschrift für Musik, 177(1), 31-33.eee

 

Projektbeschreibung: Übung ist beim Erlernen eines Instruments wichtig, aber wie stark ist die Korrelation zwischen Übung und musikalischer Leistung wirklich? In diesem Projekt wird zum ersten Mal in der Geschichte der Expertiseforschung eine Meta-Analyse zur Ermittlung einer verlässlichen aggregierten Effektgröße zur Schätzung des Zusammenhangs von zielgerichteter Übung (Deliberate practice) und instrumentale Fertigkeiten durchgeführt.

Das Projekt ist ein Beitrag zur Theorie musikalischer Expertisierung und eine Grundlage für zukünftige Modelle musikalischer Entwicklung, in denen sowohl Trainingsvariablen als auch andere Einflussgrößen in Hinblick auf das Erzielen überdurchschnittlicher Leistungen berücksichtigt werden.

Förderung durch die DFG (GZ: KO 1912/9-1)

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez, Prof. Dr. Andreas C. Lehmann (HfM Würzburg)

Projektmitarbeiter: JProf. Dr. Friedrich Platz (HfMDK Stuttgart) / Anna Wolf, M.Sc (HMTM Hannover/Hanover Music Lab)

Projektdauer: 01.01.2014-31.07.2014

Publikationen:


Projektbeschreibung: Wenn ein Popmusikstück nicht mit einem kraftvollen, harmonischen Schluss, sondern mit einer Ausblendung – dem Fade-out – endet, klingt die Musik in der Vorstellung der Hörer paradoxerweise noch weiter, obwohl sie längst zu Ende ist. Es wird vermutet, dass wir auf die abnehmende Lautstärke eines Songs mit einer Verlagerung der Musikpulsation in unserer Vorstellungreagieren – als ob unsere Wahrnehmung die verklingende Musik und den mit ihr verbundenen emotionalen Zustand aufrecht erhalten möchte. Genauere Untersuchungen über die wahrnehmungspsychologischen Effekte dieser weit verbreiteten Schlussbildung in der populären Musik gibt es jedoch nicht. Mittels des Messgeräts "Sentograph" wird in dieser Studie das Erleben durch das Mitklopfen zur Musik gemessen und besonders interessant ist die über die Dauer des Stücks hinausgehende Mitklopfdauer. Eine im Vergleich zu einem Schluss mit arrangierten Ende hinausgehende Klopfdauer könnte die Vermutung eines "emotionalen Nachhalls" beim Fade-out unterstützen.

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez

Projektmitarbeiter: Dr. Friedrich Platz

Projektdauer: September 2011-September 2013

Publikationen:

- Pressemitteilung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

- Kurzbericht in DIE ZEIT (19.12.2013).

- Kopiez, R., Platz, F., Wolf, A. & Müller, S. (2015). When the pulse of the song goes on: Fade-out in popular music and the pulse continuity phenomenon. Psychology of Music, 54(3), 359-374. DOI: 10.1177/0305735613511505

- YouTube - "Why more pop songs should end with a fade out" (ab 04:10)


 

Projektbeschreibung: Die musikalische Performanzforschung hat in den letzten Jahren die Bedeutung der visuellen und auditiven Merkmale des Instrumentalspiels für das Musik-Erleben betont. Unklar ist bisher jedoch, wie Hören und Sehen beim Konzertbesuch miteinander wechselwirken. Bei musikalischen Darbietungen gibt es durch die Arbeiten von Klaus-Ernst Behne aus den 1990er Jahren an der HMTM Hannover bereits erste Hinweise auf die Wichtigkeit visueller Interpretenmerkmale auf die Bewertung einer Darbietung. Unser Projekt knüpft daran an, unterscheidet sich jedoch in zwei Punkten von allen bisherigen Studien:

Mit dieser Materialsammlung verfügen wir über eine einmalige Sammlung hochwertiger natürlicher und glaubwürdiger Musikerauftritte. Von den Ergebnissen unseres wissenschaftlich-künstlerischen Projekts wird nicht nur die Grundlagenforschung der Musikpsychologie profitieren, sondern auch die Praxis: Wir hoffen mit dem Merkmalskatalog der Auftrittstypen sowohl Musikern eine Hilfestellung für die Entwicklung eines reflektierten Bühnenverhaltens zu geben, als auch Jurys mit dem erstellten Bewertungsinventar ein objektives Instrument für die Einschätzung des Bühnenauftrittsverhaltens von Prüfungskandidaten. Als erstes Ergebnis konnte eine quantifizierbare Größe für den Einfluss der visuellen Komponente eines Musikerauftritts auf die Gesamtbewertung nachgewiesen werden: Wenn man einen Musiker sieht UND hört, wird im Durchschnitt gegenüber der hörbaren Darbietung eine um eine Notenskalenstufe bessere Bewertung für das Gefallen abgegeben.

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez

Projektmitarbeiter: Dr. Friedrich Platz

Projektdauer: September 2011-September 2013

Förderung durch Mittel das Förderprogramm PRO*Niedersachen des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

Publikationen:
- Bericht "Ich geh jetzt Oper gucken!" SWR2 - Cluster (13.12.2013). Bericht: Michael Rüsenberg.

- Bericht "Wahrnehmung: Die Augen sind die besseren Ohren". Die Presse, 19.08.2013

- Platz, F. & Kopiez, R. (2013). When the first impression counts: Music performers, audience, and the evaluation of stage entrance behavior. Musicae Scientiae, 17(2), 167-197. DOI: 10.1177/1029864913486369

- Platz, F. & Kopiez, R. (2012). When the eye listens: A meta-analysis of how audio-visual presentation enhances the appreciation of music performance. Music Perception, 30(1), 71-83.

- Pressmitteilung

- Mitteilung in DIE ZEIT, Nr. 38, 13.09.2012

- "Das Jury-Auge hört mit". Deutschlandfunk: Studiozeit, 08.10.2012. Moderation: Agnieszka Zagozdzon (mp3, ca. 8').

- "'Bühnenperformanz gehört ins erste Semester!' Was Musiker von Schauspielern lernen können". Blogeintrag auf "Profilitas". Interview: Elvira Steppacher (29.10.2012).

- "Das Auge hört und bewertet mit". nmz campus, 12/2012-01/2013. Interview: Elvira Steppacher. haz

- "Das Auge hört mit - Wie das Sehen das Musikerlebnis beeinflusst". NDR, "Logo - Das Wissenschaftsmagazin", 01.02.2013. Interview: Regina Methler.


 


Projektbeschreibung: Training am Instrument spielt für Musiker eine bedeutsame Rolle in der Professionalisierung. Offen bleibt jedoch, warum manche professionellen Musiker überdurchschnittlich gut werden, andere dagegen nicht. Einige Ergebnisse unserer früheren Studie (Kopiez, Galley & Lee, 2006) sprechen dafür, dass eine weniger stark ausgeprägte Lateralisierung des Gehirns (und damit eine höhere Bilateralität bzw. eine geringere linkshemisphärische Dominanz) bei Musikern zu finden ist. Eine geringer ausgeprägte Bevorzugung einer Hand resultiert aber bei bestimmten Instrumenten (z.B. beim Klavier) und bei bestimmten Musikaufgaben auch in einem geringeren Leistungsunterschied zwischen den Händen bzw. einem insgesamt höheren Leistungspotential.

Theoretischer Hintergrund der Studie ist die sogenannte "Right-Shift"-Theorie von Annett, welche vorhersagt, dass es - entgegen der alltagspsychologischen Beobachtung - keine geborenen Linkshänder, sondern nur (gnetische) Rechtshänder und Nicht-Rechtshänder gibt. Ob sich aus Nicht-Rechtshändern Linkshänder oder Beidhänder entwickeln, hängt von Faktoren wie Zufall oder sozialem Verhaltensdruck ab. Für die Entstehung von Händigkeit gibt es also eine genetische und eine Trainingskomponente, deren Verhältnis zueinander in der Forschung bisher nicht restlos aufgeklärt wurde.

Normale (Nicht-Musiker) Rechtshänder sind durch eine mehr oder weniger ausgeprägte, leichte Links-Behinderung charakterisiert. Dies können sich viele Musikausübende gar nicht leisten und verschaffen in einem in der Forschung bisher nicht untersuchten und bekannten Ausmaß deshalb der nicht-dominanten Hand einen Trainingsvorteil gegenüber der Normalpopulation. Methodisch wird Lateralität traditionell über Händigkeites-Fragebögen erfasst. Jedoch kann man mit dieser Methode nicht die sogenannte "wahre" oder "genetische" Händigkeit ermitteln und man kann die Gruppe der Rechtshänder nicht von derjenigen der rechtspräferierten Beidhänder trennen. Deshalb operationalisieren wir Lateralität in Übereinstimmung mit anderen Autoren durch Leistungstests zu Handfertigkeitsunterschieden (z.B. Geschwindigkeitsklopfen, sog. "Speed Tapping").
Da Training aber in aller Regel sehr spezifisch und kaum auf die andere Hand übertragbar ist, vergleichen wir die Tappingleistung professioneller Instrumentalisten verschiedener Instrumentengruppen (Klavier und Streicher) mit verschiedenen Ansprüchen an das Training für die rechte und linke Hand.

Zur Zeit liegen umfangreiche Händigkeitsdatensätze für 128 Musikstudenten und mehr als 1500 Nicht-Musikern vor.

Relevanz der Fragestellung für die Musikpädagogik
Die Frage der Beeinflussung von Lateralität durch intensives bimanuelles Training ist für die aktuelle Diskussion in der Streicherpädagogik, ob Nicht-Rechtshänder links streichen sollen, von Bedeutung. Bevor eine solch folgenreiche Entscheidung über die Haltung eines Streichinstrumentes getroffen werden kann, wollen wir mit unserer Studie zunächst die neuropsychologischen Grundlagen für die Diagnose und die Frage der Veränderbarkeit von Händigkeit (als einer Form von Lateralität) durch bimanuelles Taining liefern. Aus momentaner Sicht gibt es keine Hinweise auf einen negativen Einfluss der Händigkeit auf das instrumentale Leistungsvermögen, z.B., wenn Nicht-Rechtshänder ihr Instrument in rechtshändiger Haltung spielen.
Neuronale Plastizitätsprozesse und Trainingseffekte kompensieren vielmehr evtl. vorhandene Leistungsunterschiede zwischen den Händen. Solange keine Langzeitdaten über den Einfluss der Händigkeit auf die Entwicklung der instrumentalen Performanz vorliegt, wird von vorschnellen pädagogischen Empfehlungen zum Spiel auf speziellen Linkshänder-Instrumenten deshalb abgeraten.

Projektleiter: Prof. Dr. Reinhard Kopiez & Prof. Dr. Niels Galley (Univ. Köln, Inst. für Psychologie)

Projektdauer: 2005-2010

Publikationen:

- Kopiez, R., Jabusch, H.-C., Galley, N., Homann, J.-C., Lehmann, A. C. & Altenmüller, E. (2012). No disadvantage for left-handed musicians: The relationship between handedness, felt constraints and performance-related skills in pianists and string players. Psychology of Music, 40(3), 357-384. Download pdf-file pdf Aufnahme als "Key Research Article" in die Informationsplattform Psychology Progress.

- Kopiez, R. & Galley, N. (2010). Händigkeit: ihre theoretischen Grundlagen und ihre Bedeutung für das Instrumentalspiel. In H. Gembris (Ed.), Begabungsförderung und Begabungsforschung in der Musik (Schriften des Instituts für Begabungsforschung in der Musik, Bd. 2, S. 111-136). Münster: LIT. Download pdf-file pdf

- Kopiez, R., Galley, N. & Lehmann, A. C. (2010). The relation between lateralisation, early start of training, and amount of practice in musicians: A contribution to the problem of handedness classification. Laterality, 15(4), 385-414. Download pdf-file pdf

- Kopiez, R., Galley, N. & Lee, J. I. (2006). The advantage of being non-right-handed: The influence of laterality on a selected musical skill (sight reading achievement). Neuropsychologia, 44(7), 1079-1087. Download pdf-file pdf

- "Besser spielen auf Chaplins Geige?", DIE ZEIT, Nr. 25, 13.06.2013

- - "Rechtshänder geben schneller auf", Deutschlandradio Kultur - Wissenschaft und Technik (01.07.2012)

- "Welche Schwierigkeiten haben linkshändige Musiker?", SWR2 - Wissenschaft aktuell, 19.06.2012

- "Ich mach das mit links - Musizieren und Händigkeit". Interview mit Cornelia Härtl & Klaus Härtel in CLARINO, Jan. 2016, 32-35. Download pdf haz

 


 


Projektbeschreibung: Musik ist dasjenige Kommunikationsmedium, das vermutlich die intensivsten Emotionen auslösen kann. Im ersten Teil des Projektes sollen deutsche und nigerianische Probanden unterschiedlicher Altersklassen Passagen aus Musikstücken identifizieren, die intensive emotionale Erlebnisse (sogenannte Gänsehaut"-Effekte) erzeugen. Es werden 400 möglichst einfach strukturierte Ausschnitte aus verschiedenen Stilen gesammelt und auf akustische Zielparameter hin untersucht. Um Aufschlüsse über die Dynamik der akustischen Parameter zu erhalten, erzeugen 80 Versuchspersonen beim Hören ihrer Lieblingsstücke eine zweidimensionale Trajektorie ihres emotionalen Erlebens mittels eines Joysticks in Echtzeit mit Anzeige der Basisdimensionen Valenz und Aktivierung. Nach Identifikation der wichtigsten musikalisch-strukturellen und akustischen Parameter und ihrer zeitlichen Dynamik sollen aufgrund der gefundenen musikalisch-akustischen Merkmale 50 neue Reize "komponiert" werden, die (in Deutschland und Nigeria) eine maximale emotionale Antwort auslösen. Mit ihnen werden neurophysiologische Korrelate intensiver Musikerlebnisse mit EEG- und fMRI erfasst. Speziesübergreifend soll untersucht werden, ob die Stimuli Totenkopfaffen stärker zu Vokalisationen und Tupaias zu verändertem Stressverhalten anregen.

Teilziele der Forschergruppe sind u.a.:

Dies Projekt ist ein Teilprojekt der interdisziplinären DFG-Forschergruppe "Akustische Kommunikation von Affekten bei nonhumanen Säugetieren und dem Menschen: Produktion, Wahrnehmung und neurale Verarbeitung (FOR 499)" an der insgesamt sechs Forschergruppen mit insgesamt neun Teilprojekten beteiligt sind.

Projektleiter: Prof. Dr. Eckart Altenmüller/Prof. Dr. Reinhard Kopiez

Projektmitarbeiter: Dr. rer. nat. Oliver Grewe, Dr. phil. Hauke Egermann, Dr. rer. nat. Frederik Nagel.

Projektdauer: Januar 2003-Januar 2009.

Weitere Projektinformationen auf der Homepage der Forschergruppe: http://www.for499.de

Publikationen:

- Egermann, H., Kopiez, R., & Altenmüller, E. (2013). The influence of social normative and informational feedback on musically induced emotions in an online music listening setting. Psychomusicology, 23(1), 21-32. Download pdf-file pdf

- Altenmüller, E., Kopiez, R., & Grewe, O. (2013). A contribution to the evolutionary basis of music: Lessons from the chill response. In E. Altenmüller, S. Schmidt & E. Zimmermann (Eds.), Evolution of emotional communication. From sounds in nonhuman mammals to speech and music in man (pp. 313-335). Oxford: Oxford University Press. Download pdf-file pdf

- Egermann, H., Sutherland, M. E., Grewe, O., Nagel, F., Kopiez, R., & Altenmüller, E. (2012). Does music listening in a social context alter experience? A physiological and psychological perspective on emotion. Musicae Scientiae, 15(3), 307-323.

- Grewe, O., Katzur, B., Kopiez, R., & Altenmüller, E. (2011). Chills in different sensory domains: Frisson elicited by acoustical, visual, tactile and gustatory stimuli. Psychology of Music, 39(2), 220-239.

- Egermann, H., Nagel, F., Altenmüller, E. & Kopiez, R. (2009): Continuous measurement of musically-induced emotion: A Web experiment. International Journal of Internet Science, 4(1), 4-20. Download pdf-file pdf

- Egermann, H., Grewe, O., Kopiez, R., & Altenmüller, E. (2009). Social feedback influences musically induced emotions. Annals of the New York Academy of Scienes, 1169, 346-350.

- Sutherland, M. E., Grewe, O., Egermann, H., Nagel, F., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2009). The influence of social situations on music listening. Annals of the New York Academy of Scienes, 1169, 363-367.

- Grewe, O., Nagel, F., Altenmüller, E. & Kopiez, R. (2009). Individual emotional reactions towards music: Evolutionary-based universals? Musicae Scientiae (Special Issue 2009-2010 - Music and Evolution), 261-287.

- Nagel, F., Kopiez, R., Grewe, O. & Altenmüller, E. (2009). "Worms" in (e)motion: visualizing powerful emotional music. Paper presented at the 127th Audio Engineering Society, New York, 9-12 October.

- Grewe, O., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2009). The chill parameter: Goose bumps and shivers as promising measures in emotion research. Music Perception, 27(1), 61-74.

- Grewe, O., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2009). Chills as an indicator of individual emotional peaks. In R. J. Zatorrre & I. Peretz & V. Penhune (Eds.), The neurosciences and music III: Disorders and plasticity (Vol. 1169, pp. 351-354). New York: New York Academy of Sciences.

- Nagel, F., Kopiez, R., Grewe, O. & Altenmüller (2008). Psychoacoustic correlates of musically induced chills. Musicae Scientiae, 12(1), 101-113, Download pdf-file pdf

- Grewe, O., Nagel, F., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2007). Emotions over time: Synchronicity and development of subjective, physiological, and facial reactions to music. Emotion, 7(4), 774-788. Download pdf-file pdf

- Nagel, F., Kopiez, R., Grewe, O. & Altenmüller, E. (2007). EMuJoy - Software zur kontinuierlichen Erfassung emotionaler Selbstauskunft in Reaktion auf multimodale Stimuli. Musikpsychologie, 19, 154-160.

- Nagel, F., Kopiez, R., Grewe, O. & Altenmüller, E. (2007). EMuJoy - Software for continuous measurement of perceived emotions in music. Behavior Research Methods, 39(2), 283-290. Download pdf-file pdf Siehe auch http://musicweb.hmt-hannover.de/emujoy

- Altenmüller, E., Grewe, O., Nagel, F. & Kopiez, R. (2007). Der Gänsehaut-Faktor. Gehirn & Geist, o. Jg., (1-2), 58-61. Download pdf-fileANAS

- Grewe, O., Nagel, F., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2007). Listening to music as a re-creative process - Physiological, psychological and psychoacoustical correlates of chills and strong emotions. Music Perception, 23(4), 297-314. Download pdf-fileANAS

- Grewe, O., Nagel, F., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2005). How does music arouse "chills"? Investigating strong emotions, combining psychological, physiological, and psychoacoustical methods. In G. Avanzini, L. Lopez, S. Koelsch & M. Manjo (Eds.), The neurosciences and music II: from perception to performance (Annals of the New York Academy of Sciences, Vol. 1060, pp. 446-449). New York: New York Academy of Sciences. Download pdf-fileANAS

- Altenmüller, E., Goydke, K., Eckstein, A. & Kopiez, R. (2005). Music as a model for acoustic communication of emotions in humans. Proceedings of the 30th Göttingen Neuro Biology Conference, University of Göttingen, Germany, 17-20 February [CD-ROM]. Download pdf-filepdf

- Nagel, F., Grewe, O., Kopiez, R. & Altenmüller, E. (2005). The relationship of psycho-physiological responses and self-reported emotions while listening to music. Proceedings of the 30th Göttingen Neuro Biology Conference, University of Göttingen, Germany, 17-20 February [CD-ROM]. Download pdf-filepdf

- Grewe, O., Nagel, F., Altenmüller, E. & Kopiez, R. (2005). Psychological and physiological correlates of strong emotions in music. Proceedings of the 30th Göttingen Neuro Biology Conference, University of Göttingen, Germany, 17-20 February [CD-ROM]. pdf

 


 

Projektbeschreibung: Mit den ca. 1.300 Programmzetteln aus der Sammlung von Konzertprogrammen Clara Schumanns (Robert-Schumann-Haus Zwickau) liegt eine einmalige Dokumentation des lebenslangen Repertoires einer herausragenden Künstlerin des 19. Jhs. vor. In Zusammenarbeit mit dem Schumann-Haus in Zwickau wurden in den letzen Jahren sämtliche bibliographischen Daten in eine Datenbank (askSam) eingegeben. Darauf erfolgte eine philologische Überprüfung und Standardisierung der Werktitel. Nach Ausfilterung der Solowerke für Klavier schloss sich eine historiometrische Analyse zum Einfluss kritischer Lebensereigenisse auf die Konzertaktivität, zur Repertoirestatistik, Reiseaktivität und der Verteilung der aufgeführten Komponisten bzw. Werke an.

Bisher konnten wir zeigen,

- dass kritische Lebensereignisse (z.B. Schwangerschaften, Tod von Familienangehörigen) einen erheblichen negativen Einfluss auf die Kozertaktivität hatten;

- dass Clara Schumann ihre Karriere geografisch zunächst in Ost-West-Richtung etabliert (Konzerte in Russland, Österreich und Frankreich) und danach eine Expansion nach Norden (England) vornimmt;

- dass Clara Schumann eine starke und für ihre Zeit untypische Komponisten-Kanonisierung vorantreibt, mit einem Hauptfokus auf den Werken von Robert Schumann, Chopin, Mendelssohn und Beethoven. Weitere Analysen konzentrieren sich auf die Werkkanonisierung in den Konzerten.

Projektbeteiligter: Prof. Dr. Andreas Lehmann (HfM Würzburg)

Projektdauer: September 1997-Dezember 2008

Das Projekt wurde in der Datenerfassung gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst.

Publikationen:
- Altenmüller, E. & Kopiez, R. (2010). Suffering for her art: The chronic pain syndrome of pianist Clara Wieck-Schumann. In J. Bogousslavsky & M. G. Hennerici & H. Bäzner & C. Bassetti (Eds.), Neurological disorders in famous artists (Vol. 3, pp. 101-118). Basel: Karger. Download pdf-filepdf

- Altenmüller, E. & Kopiez, R. (2009). Eine Leiden schaffende Leidenschaft: Das Schmerzsyndrom der Pianistin Clara Schumann. In E. Altenmüller & S. Rode-Breymann (Eds.), Krankheiten großer Musiker und Musikerinnen: Reflexionen am Schnittpunkt von Musikwissenschaft und Medizin (Ligaturen, Vol. 4, pp. 125-147). Hildesheim: Olms. Download pdf-filepdf

- Kopiez, R., Lehmann, A.C. & Klassen, J. (2009). Clara Schumann's collection of program leaflets: A historiometric analysis of life-span development, mobility, and repertoire canonization. Poetics, 37(1), 50-73. Download pdf-file pdf

- Dossier im Online-Magazin Codex Flores (April 2009)

- Kopiez, R., Lehmann, A.C. & Heinlein, A. (2005). Clara Schumann’s collection of concert programs: A first quantitative analysis of her repertoire, her artistic mobility, and the development of a European concert landscape. Paper given at the Annual Meeting of the German Society for Music Psychology, Würzburg, Germany, School of Music, 10 September 2005. Download pdf-file pdf

- Webseite mit weiteren Datenanalysen des Repertoires: http://musicweb.hmt-hannover.de/csprograms.


 

Projektbeschreibung: 1957 führte der amerikanische Marktforscher James Vicary angeblich folgendes Wahrnehmungsexperiment in einem Kino durch: in einem Film wurden für 1/3000 Sekunde Einzelbilder mit Aufforderungen wie z.B. "Trink Coca- Cola!" versteckt. Nach dem Film stieg der Verkauf von Coca-Cola an der Kinokasse um 18%. Obwohl mittlerweile klar ist, dass diese Studie nur auf Behauptungen beruhte und Vicary sie nur zur Vermarktung seiner Firma erfunden hatte (s. Schneider, R. U. [2004]. Das Buch der verrückten Experimente. München Bertelsmann, S. 145ff), geistert der Mythos immer noch durch die Welt, Menschen könnten durch versteckte Botschaften in Filmen oder in Musik in ihrem Verhalten beeinflusst werden.
In unserem Blind-Experiment hörten Versuchspersonen verschiedene Musikstücke, in denen durch die Musik maskierte Zielwörter versteckt waren. Es wurde untersucht, ob sich durch das Anhören der Musik (a) die Verteilung der gewählten Häufigkeiten auf einer Wortliste und (b) die Verteilung der gewählten Häufigkeiten bei einer Getränkewahl von einer Gleichverteilung unterscheiden. Als Ergebnis konnte klar gezeigt werden, dass die subliminalen Zielwörter in keinem Fall zu einer häufigeren Nennung in den Antworten der Probanden auf einer Wortliste führten. Ein subliminaler Effekt "geheimer" auditiver Botschaften war in keinem Fall nachweisbar. Dies beruhigende Ergebnis ist in Übereinstimmung mit psychoakustischen Theorien, nach denen ein bereits auf der Basilarmembran maskiertes Schallereignis auch kein Nervensignal im Hörnerv erzeugen kann. Das gleich Prinzip gilt z.B. für die MP3-Kodierung von Musik. Pointiert formuliert: wo nichts ist, da kann auch nichts angeregt werden. Falls überhaupt eine erfolgreiche Manipulation von Hörern erreicht werden kann, dann durch supraliminale (überschwellige) Botschaften, welche durch experimentelle Aufmerksamkeitsumfokussierung nur unbewusst wahrgenommen werden.

Projektbeteiligte: Hauke Egermann, Holger Plottke, Reinhard Kopiez, Sebastian Steinhardt,

Publikationen: Egermann, Hauke, Kopiez, Reinhard & Reuter Christoph (2006): Is there an effect of subliminal messages in music on choice behavior? Journal of Articles in Support of the Null Hypothesis, 4(2), 29-46. Download pdf-file pdf

Projektdauer: Juli 2005-Juli 2006

Weiterführende Informationen: http://musicweb.hmt-hannover.de/subliminal


 

Projektbeschreibung: Das unvorbereitete Spiel (sogen. Vomblattspiel, im folgenden VBS genannt) gehört neben dem Repertoirespiel und der Improvisation zu den drei Grundfertigkeiten eines Musikers. Wir wissen aber auch, dass die Leistungen im VBS zwischen Spielern gleichen Spielniveaus sehr unterschiedlich sein kann.

Obwohl es zum VBS eine mittlerweile 70-jährige Forschungsgeschichte gibt, existiert bislang keine integrierte Theorie, welche diese Unterschied hinreichend erklären kann und dabei die folgenden Faktoren berücksichtigt:

(a) allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit (z.B. Kurzzeitgedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, inneres Hören) und
(b) Expertise (z.B. akkumulierte Übezeit bei Begleitungsaufgaben)
(c) Blickbewegungen (Okulomotorik, Sakkaden, Fixationen etc.)

Im Projekt durchlaufen deshalb ca. 50 professionelle Pianisten (Musikstudenten) ein Versuchsdesign, welches 12 verschiedene, aus der Blattspielforschung ableitbare Prädiktoren erfasst. Als abhängige Variablen werden fünf VBS-Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades verwendet.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines dynamischen Modells, bei dem die Gewichtung der einzelnen Prädiktoren je nach Schwierigkeitsstufe der Aufgabe herausgestellt wird. Eine sinnvolle Didaktik des VBS ist ohne eine fundierte Theorie nicht möglich.

Projektbeteiligte: Dr. Ji In Lee, Christian Wolf (Hilfskraft), Niels Galley (Univ. Köln)

Projektdauer: März 2001-März 2004

Publikationen:
- Kopiez, R. & Lee, J. I. (2008). Towards a general model of skills involved in sight reading music. Music Education Research, 10(1), 41-62. Download pdf-file
pdf

- Lee, J. I. (2006). The role of inner hearing in sight-reading music as an example of inter-modal perception. Musikpsychologie, 18, 35-52.

- Kopiez, R. & Galley, N. (2006). The advantage of being non-right-handed: The influence of lateralization on a selected musical skill (sight reading). Neuropsychologia, 44(7), 1079-1087. Download pdf-file pdf

- Kopiez, R. & Lee, J.I. (2006). Towards a dynamic model of skills involved in sight reading music. Music Education Research, 8(1), 97-120. Download pdf-file pdf

- Kopiez, R., Weihs, C., Ligges, U. & Lee, J.I. (2006). Classification of high and low achievers in a music sight task. Psychology of Music, 34(1), 5-26. Download pdf-file pdf

- Kopiez, R., Weihs, C., Ligges, U. & Lee, J.I. (2005). In search of variables distinguishing low and high achievers in a music sight reading task. In C. Weihs & W. Gaul (Eds.), Classification - the ubiquitious challenge (pp. 593-599). Berlin: Springer. Download pdf-filepdf

- Lee, J.I. (2004). Component skills involved in sight reading music. Frankfurt a.M.: Peter Lang.

- Lee, J.I. (2003). The role of working memory and short-term memory in sight reading. In R. Kopiez, A. Lehmann, I. Wolther & C. Wolf (Eds.), Proceedings of the 5th International Conference of the European Society for the Cognitive Sciences of Music (ESCOM), Hannover, 8.-13. September 2003, pp. 121-126. [CD-ROM]. pdf

Siehe auch http://musicweb.hmt-hannover.de/sightreading


 

Projektbeschreibung: Auf der Grundlage kommerzieller Hard- und Software wurde ein Gerät entwickelt, mit dem es möglich ist, im Gruppendesign mit max. 16 Versuchspersonen die Wahrnehmung musikalisch auffälliger Ereignisse zu messen. Das Gerät hat den Namen GORDI (Group Online Response Digital Interface) und besteht aus einem 16-kanaligen Drum-to-Midi-Konverter, der mit einem Drucktaster pro Kanal verbunden ist und jeden Tastendruck auf die Spur eines Midi-Sequenzers aufzeichnet. Hörer erhalten z.B. die Aufgabe, bei einem als subjektiv "Falsch" wahrgenommenen Ton den Drucktaster zu betätigen. Hierdurch wird eine diskretes ereignis als Midi-Event aufgezeichnet. Durch die Zuordnung von einer bestimmten Klangfarbe zu jedem Schalter ist es möglich, den Versuchsteilnehmern ihre Reaktionen zurückzuspielen.

Anwendungsmöglichkeiten: Besonders eignet sich sich das Gerät für kleinere Demonstrationen im Musikunterricht zu Themen wie "Formwahrnehmung" oder "Tonalitätswahrnehmung" vor dem Hintergrund des Verhältnisses von "Konzept" und "Perzept". Zur Frage der Tonalitätswahrnehmung gibt es eine interessante Studie zur Wahrnehmung "falscher" Töne in einem modulierenden Kontext (Janata et al., 2002), die mit GORDI im Gruppenversuch leicht repliziert werden kann. Durch den Vergleich von gesetzten akustischen Markern ("Pling"-Klang) mit den in Form einer akustischen "Punktewolke" hörbar gemachten Antworten der Versuchsteilnehmer hat man eine gute Grundlage für weitere Diskussionen über die Bedingungen von Wahrnehmung unter Echtzeitbedingungen. Weiterhin eignet sich das Gerät auch zur Markierung starker emotionaler Erlebnisse ("Gänsehauteffekte") beim Musikhören. Dadurch wird der zeitlich-dynamische Aspekt der Wirkung von Musik besonders berücksichtigt.

Projektdauer: April - August 2003

Publikation: The Group Online Response Digital Interface (GORDI) as a tool for online measurement of music perception. In R. Kopiez, A. Lehmann, I. Wolther & C. Wolf (Eds.), Proceedings of the 5th International Conference of the European Society for the Cognitive Sciences of Music (ESCOM), Hannover, 8.-13. September 2003, p. 340 [CD-ROM]. Download pdf-file

Die Hardware-Komponenten von GORDI: 16-Kanal Drum-to-Midi-Interface, Drucktaster und Kabelbaum.

 


Projektbeschreibung: 1893 schrieb der französische Komponist Erik Satie das Klavierstück "Vexations" (dt. Quälereien). Dieses Stück hat dadurch Berühmtheit erlangt, daß es zwar nur aus einer Seite Notentext besteht, die jedoch 840 mal wiederholt wird. Berücksichtigt man das von Satie angegebene sehr ruhige Grundtempo, ergibt sich eine Aufführungsdauer von ca. 28 Stunden. Entscheidet man sich für eine Performance durch einen menschlichen Spieler (und nicht durch einen Computer, der in einer Endlosschleife die Wiederholungen abspielt), dann stellt die Aufführung extreme körperliche und geistige Anforderungen an den Spieler, denn er spielt Nonstop und muß wie ein "Pflegefall" während der Aufführung versorgt werden. Er begibt sich – vermittelt durch das Klavierstück – auf die Reise zu einer Grenzerfahrung.

Im Mai 2000 fand in Dresden die ununterbrochene Aufführung von Saties berühmtem 28-stündigem Klavierstück "Vexations" durch den Pianisten Armin Fuchs (Würzburg) statt, die wissenschaftlich begleitet wurde. Das Projekt war eine Kooperation zwischen Dr. Christine Kohlmetz und Prof. Dr. Eckart Altenmüller (Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin) und dem Institut für Musikpädagogische Forschung. Die wissenschaftliche Fragestellung war u.a., wie sich die dynamische und zeitliche Phrasierung im Sinne einer interpretativen Gestaltung durch den Spieler über einen dermaßen großen Zeitraum verändert. Hierzu wurde die Aufführung direkt auf Festplatte in Form von akustischen und von MIDI-Daten aufgezeichnet. Zusätzlich wurde beim Spieler noch ein Langzeit-EEG abgeleitet, um eine Änderung des Bewußtseinsszustandes zu erfassen. Die Aufführung fand unter starker Beachtung der Presse statt und eine Fernsehdokumentation wurde auf SWR gesendet.

Erste Ergebnisse der Datenauswertung wurden in mehreren öffentlichen Vorträgen (davon zwei innerhalb der HMT Hannover) vorgestellt. Besonderes Aufsehen erregte der Nachweis verschiedener Bewußtseinszustände (Wachheit, Müdigkeit und Trance) während der Aufführung und die erstaunliche Stabilität feinmotorischer Programme, die hiervon weitgehend unbeeinflusst blieben. Veröffentlichungen hierüber sind in Vorbereitung und die äußerst umfangreiche weitere Datenauswertung der Lautstärke- und Zeitgestaltung durch den Spieler wird sich noch bis in das nächste Jahr erstrecken.

Projektbeteiligte: Reinhard Kopiez (Leitung), Christian Wolf (Hilfskraft)

Projektdauer: Mai 2000-April 2003

Weitere Informationen und Publikationshinweise: http:musicweb.hmt-hannover.de/satie


Projektbeschreibung: Durch den Vergleich der menschlichen Wahrnehmung mit der Wahrnehmung ausgewählter non-humaner Spezies erfahren wir etwas über die Besonderheit der menschlichen auditiven Wahrnehmung. Durch diesen Vergleich wird sinnlich erfahrbar, wie stark die Musik der Spezies "Homo" durch die Eigenschaften seiner auditiven Wahrnehmung bestimmt ist. In diesem Projekt werden deshalb mit den Mitteln der digitalen Signalverarbeitung die Hörwelten verschiedener Spezies simuliert.

Projektbeteiligte: Reinhard Kopiez (Leitung), Christian Wolf (Hilfskraft)

Projektdauer: September 2001-Dezember 2002

Weitere Informationen und Klangbeispiele: http://musicweb.hmt-hannover.de/fay/


Projektbeschreibung: Wie genau kann sich ein Musiker einem vorgegebenen Stimmungssystem anpassen? Hierzu finden sich in der Literatur sehr unterschiedliche Meinungen, die auf der einen Seite durch die Position markiert sind, ein Spieler verwende eine "irgendwie-Intonation", bei der sich instrumentenspezifische Besonderheiten mit ausdrucksvollen Absichten und intonatorischem Unvermögen des Spielers überlagern und auf der anderen Seite annehmen, daß z.B. Blechbläser immer im sogenannten "reinen", d.h. schwebungsfreien System intonieren würden. Die experimentelle Untersuchung der Adaptionsfähigkeit erweist sich als schwierig, da eine Adaption auch von einem vertrauten Kontext und ganz wesentlich von der Klangfarbe abhängig ist.

Im vorliegenden Experiment wurde deshalb ein "embedded interval paradigm" gewählt, bei dem ein Trompeter zu einem eigens komponierten Stück die Oberstimme zu einem erklingenden dreistimmigen imaginären Blechbläserensemble spielte. Die Bedingungsvariation bestand in der Erzeugung von zwei Varianten dieses Begleitsatzes:(a) in temperierter und (b) in reiner Stimmung.

Die erste Datenanalyse zeigte, daß selbst ein so unvollkommen intonierbares Instrument wie die Trompete, sehr wohl dazu in der Lage ist, mit einer mittleren Abweichung von ca. 5-6 Cent temperiert zu spielen. Hier liegt ein deutlicher Trainingseffekt vor, denn die Anpassung an temperierte Instrumente (wie z.B. das Klavier) wird in der Ausbildung eines Bläsers schon sehr früh geübt. Die Anpassung an die reine Stimmung gelingt dagegen nicht und die Spieler übertragen einfach die gleichschwebende auf die reine Intonation. Außerdem zeigt eine Faktorenanalyse, daß Intonation das Ergebnis von vier Faktoren ist: Tonfunktion, abolute Tonhoehe, musikalischer Ausdruck und instrumentenspezifische Besonderheiten. Mit diesem Ergebnis lenken wir die Aufmerksamkeit weg von einer Fixierung auf das Instrument und hin auf den Spieler. Mit anderen Worten: Nicht die Trompete macht die Musik, sondern der Trompeter.

Projektdauer: Juli 1999-Juli 2003

Publikation:
Kopiez, R. (2003). Intonation of harmonic intervals: Adaptability of expert musicians to equal temperament and just intonation. Music Perception, 20(4), 383-410. Download pdf-file
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Weitere Informationen, Klangbeispiele und Publikationshinweise: http://musicweb.hmt-hannover.de/intonation


Projektbeschreibung: Was ist ein gut gespielter Rhythmus? Sind die Kriterien hierfür kulturspezifisch oder gibt es gar kulturunabhängige, sogenannte invariante Kriterien für die Beurteilung einer Rhythmusperformance? Dieser Frage sind der Musikpsychologe Reinhard Kopiez (HMT Hannover), der Musikpsychologe Jörg Langner (HU Berlin) und der Schlagzeuger und Spezialist für westafrikanische Trommelmusik Piotr Steinhagen (HfM Würzburg) in einer Feldstudie nachgegangen.

In einem ersten Beurteilungsexperiment hörten afrikanische Meistertrommler (n = 11) aus Accra (Ghana) die Ausführungen von 6 europäischen Rhythmen durch europäische Schlagzeuger. Die Qualität dieser Interpretationen galt es auf einer mehrstufigen Zensurenskala zu bewerten. Bei 3 von 6 Rhythmen (die den Afrikanern in ihrer Struktur bekannt sind), wurde eine Korrelation zwischen den europäischen und afrikanischen Qualitätsurteilen von r = .85 gemessen. Bei denjenigen Rhythmen, die in ihrer Struktur keine Anknüpfungspunkte an afrikanische Rhythmen bieten (wie z.B. solche im 7/8-Takt), sind die Qualitätsurteile erheblich inhomogener. Es kann demzufolge weder behauptet werden, daß die Qualität einer Rhythmusperformance in jeder Kulturgleich ist, noch, daß sie in jeder Kultur völlig unterschiedlich verläuft. Dies weist auf neuropsychologische Wahrnehmungsmechanismen hin, die abhängig von kulturellen Lernerfahrungen sind. Diese Studie ist somit ein Beitrag zur Frage nach sogenannten "musical universals", deren Existenz bisher nur lückenhaft geprüft werden konnte und auf die es vermutlich auch keine einfache Antwort gibt. Die Idee von Musik als "Lingua Universalis" muß vor dem Hintergrund unserer Ergebnis jedenfalls erheblich differenzierterbetrachtet werden.

Im zweiten Teil der Studie spielten die ghanaischen Meistertrommler die vorher beurteilten Rhythmen mit einem Play-along-Tape nach. Dieser Lernprozeß wurde durch ein Tonband protokolliert. Es zeigte sich, daß die Rhythmen in ungeraden Takten, wie sie z.B. beim Bolero-Rhythmus vorkommen und solchen, die nicht an bekannte Strukturen afrikanischer Perkussionsmusik anknüpfen, den afrikanischen Trommlern große Schwierigkeiten bei der exakten Reproduktion bereiten. Das wichtigste Ergebnis dieses Nachspielexperiments ist jedoch, daß die Reproduktionsleistung der Meistertrommler nichts über ihr Leistungs- und Lernvermögen aussagt, sondern über ihre besondere Art der Rhythmuswahrnehmung und den Umgang mit Vorlagen. Das europäische Prinzip der exakten Reproduktion wird durch das afrikanische der freien Variation abgelöst und es entsteht eine "Partitur der Varianten". Diese Varianten werden momentan von P. Steinhagen transkribiert und systematisch ausgewertet.

In der Fortsetzung des Experiments werden in umgekehrter Kulturrichtung typische westafrikanische Rhythmen von europäischen Spielern eingespielt, deren Performance dann wiederum von afrikanischen Meistertrommlern bewertet werden.

Projektdauer: Oktober 1998-Oktober 1999

Publikation:
Kopiez, R., Langner, J. & Steinhagen, P. (1999). Afrikanische Trommler (Ghana) bewerten und spielen europäische Rhythmen. Musicae Scientiae, 3(2), 139-160. Download pdf-file
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Weitere Informationen, Klangbeispiele und Publikationshinweise: http://musicweb.hmt-hannover.de/ghana